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nächster Halt – Zukunft

Nik | 24 | Deutsche Sporthochschule Köln | B.A. Sportjournalismus | schreiben. filmen. fotografieren. posten.

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Titelbild | http://www.riomaniacs.de

RioMaNiacs – Themen rund um die Paralympics, Social Media, Einsatz für Inklusion und obendrein die Möglichkeit, live vom Zuckerhut in Rio berichten zu dürfen: Dieser Mix hörte sich ganz schön verlockend an. Wer will nicht Teil eines solchen Projektes sein, dachte ich mir. Die Bewerbung bei dem ausgeschriebenen Projekt der Aktion Mensch und der Deutschen Telekom war daher natürlich nur noch Formsache. Gesagt, getan, check! Im Januar 2016 dann die frohe Botschaft: „Marcel und Nik – inklusives Reporter-Duo für die Paralympics 2016 in Rio.“

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Nik & Marcel | Rock ’n‘ Roll | Foto: Andi Weiland

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Was wäre ein Duo ohne Namen gewesen? Ein Duo ohne Identität. Schwierig, wenn man doch vorhatte, etwas zu bewegen, den Behindertensport in die Welt zu tragen und diesem einzigartigen Event „Paralympics 2016″ eine besondere Plattform zu schaffen. Ein Name musste her – RioMaNiacs! Als RioMaNiacs fuhren wir monatelang zielstrebig von Event zu Event, testeten Sportarten aus, führten Interviews mit Athleten und Trainern, suchten spannende Lebensgeschichten und arbeiteten auf die Paralympics in Rio hin.

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Nik & Marcel | Subway | Foto: Andi Weiland

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Die Zusammenarbeit war gerade zu Beginn eine riesige Herausforderung für uns beide, Marcel musste sich schließlich aufgrund seiner Blindheit zu 100 Prozent auf mich verlassen können. Marcel, der gemeinsam mit mir das inklusive Reporter-Duo bildete, erblindete im Laufe seines Studiums an der Deutschen Sporthochschule Köln aufgrund einer Erbkrankheit. Ihr fragt euch sicher, wie die Zusammenarbeit zwischen uns überhaupt funktionieren konnte. Für uns stellte sich diese Frage zu keinem Zeitpunkt während des knapp einjährigen Projektes. Wir wollten Inklusion leben und zeigen, wie problemlos Barrieren durch einen ehrlichen Umgang miteinander überwunden werden können. Natürlich gab es gelegentlich besonders herausfordernde Momente während unserer gemeinsamen Zeit als Reporter-Gespann. Unser Rezept in diesen Situationen – eine strukturierte Arbeitsaufteilung und absolute Leidenschaft für unser Projekt. Marcel hielt unsere gemeinsamen Erlebnisse aus seiner Perspektive mit Hilfe der Sprachausgabe seines Laptops und Smartphones in Textform fest und ich filmte, schnitt und postete, was das Zeug hielt. Schneller als wir zu Beginn unserer Zusammenarbeit für möglich gehalten hatten, wurde unser Name zur Einstellung. Wir waren verrückt danach, so viele Menschen wie möglich für das Thema Behindertensport und Paralympics zu begeistern. Wir wollten auf eine junge und moderne Art und Weise, frei Schnauze vermitteln, welch tolle Persönlichkeiten hinter den grandiosen Leistungen des Behindertensports stecken, wie viel Aufwand sie betreiben und dass sie alles andere als bemitleidenswert sind. Mit einer relativ konstanten, wöchentlichen Facebook-Reichweite von ca. 350.000 Usern gelang uns das besser als zunächst erwartet.

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Die Monate vor den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro nutzten wir dazu so viele Sportveranstaltungen wie möglich zu besuchen, die Sportler kennenzulernen und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Wir besuchten beispielsweise das Team der Goalball-Nationalmannschaft in Berlin, reisten zum Vorbereitungslager des Rollstuhlbasketball-Teams nach Amsterdam oder fieberten bei Para-Schwimmmeisterschaften oder -Radrennen mit. Währenddessen stellten wir die verschiedenen Behindertensportarten in Form von Filmbeiträgen vor und hielten unsere Follower durch Live-Posts auf dem Laufenden. Das Projekt mauserte sich nach und nach zum Fulltime-Job und erlangte immer größere Aufmerksamkeit, was Marcel und mich, die RioMaNiacs, natürlich unheimlich stolz machte.

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Noch 100 Tage, noch 50 Tage, noch 10 Tage – und plötzlich waren wir da, in Rio de Janeiro | Brasilien, am anderen Ende der Welt. Die Zeit vor Ort war atemberaubend und unheimlich intensiv. Wir besuchten unzählige Wettkämpfe in den tollen Arenen des olympischen Parks, standen bei der historischen Erstaustragung des Para-Triathlons entlang der Copacabana am Straßenrand und bejubelten die Goldmedaille von Martin Schulz und drückten unseren Leichtahtleten, Schwimmern, Judoka und vielen mehr, von den Reportertribünen aus, die Daumen.

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Martin Schulz | Zieleinlauf Para-Triathlon | Foto: Andi Weiland
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Marcel & Nik | Reportertribüne Goalball | Foto: Andi Weiland
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Marcel & Nik | Rollstuhlbasketball GER:BRA | Foto: Andi Weiland

In den zahlreichen Mixed Zones der Arenen, warteten wir nach Siegen und auch Niederlagen auf unsere Athleten und Athletinnen der Deutschen Paralympischen Mannschaft, um erste Stimmen und Emotionen einzufangen – es war wie in einem Traum. Am Ende des Tages ging es zumeist ins Deutsche Haus, wo  wir gemeinsam mit den Athleten und Athletinnen die gewonnenen Medaillen feierten, Interviews führten oder uns einfach nur unterhielten und den Moment genossen.

In unserer Berichterstattung behandelten wir auch Themen abseits des Sports. Wir thematisierten die vorhandene Barrierefreiheit, befragten Fans oder berichteten über unsere Erlebnisse mit dem Paralympischen Jugendlager der DBSJ, als Teil dessen wir in Rio waren. Mit dem Jugendlager besuchten wir beispielsweise zwei soziale Projekte und feierten gelegentlich mit den Jungs und Mädels auf der Tribüne.

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Marcel ertastet Maskottchen Tom | Foto: Andi Weiland
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Marcel & Nik | Paralympisches Jugendlager | Copacabana | Foto: Andi Weiland
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Kinderdorf | Fußball | Nik

Die Paralympics 2016 in Rio werde ich niemals vergessen. Aufgrund zahlreicher kritischer Medienberichte während der Olympischen Spiele im Vorfeld war ich zunächst skeptisch. Werden dort überhaupt Fans zu den Wettkämpfen erscheinen? Wird die Krankheit Zika ein Thema sein? Werde ich mich aufgrund von Kriminalität frei bewegen können mit Marcel an meiner Seite? All diese Fragen stellten sich als überflüssig heraus. Die überwiegend brasilianischen Zuschauer präsentierten sich als ein Vorbild. Ein Vorbild an Offenheit, Begeisterung und Fairness. „Die Spiele der Menschen“ – ich war als Reporter live dabei.

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Marcel & Nik | Rio 2016

RioMaNiacs – gemeinsam mit meinem blinden Partner Marcel W. bildete ich vor und während der Paralympics 2016 in Rio de Janeiro das inklusive Reporterduo "RioMaNiacs". Initiatoren des Projekts waren die Aktion Mensch, die Deutsche Telekom sowie der Deutsche Behindertensportverband.

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